Die kurze Antwort
Eine Arztpraxis ist ein Sonderfall unter den Bürobereichen: Patientendaten sind besonders geschützt (Berufsgeheimnis + DSGVO), medizinische Geräte brauchen oft eigene Netzwerk-Zonen, und das Patienten-WLAN darf das Praxis-Netz nicht berühren. Drei einfache Regeln:
- Strikte Netz-Trennung zwischen Praxis-Verwaltung, medizinischer Anlagentechnik und Gast-WLAN — über VLAN, nicht nur über SSID
- Cat-6A/-7-Verkabelung im Bestand, weil die Praxisverwaltung in 5 Jahren noch mit erweiterten Bandbreiten arbeiten soll
- Dokumentation — jeder Anschluss muss benannt sein, damit IT-Partner und Wartungstechniker zurechtkommen
Was wir in Arztpraxen typisch installieren
Verwaltungsnetz
- Praxis-Software (KIM, KV-SafeNet etc.)
- Patientendaten-Datenbank
- Drucker und Etiketten-Drucker
- Anmelde-Terminals
- Workplace-PCs
Hier gilt: getrennt von allem anderen. Kein Patienten-Gerät hat in diesem Netz etwas zu suchen.
Anlagentechnik
- Röntgen-Anbindung, Ultraschall, Labor-Geräte
- ggf. KIS-Anbindung
- ggf. Telematik-Infrastruktur (Konnektor, Kartenterminal)
Manche dieser Geräte brauchen eigene VLANs oder gar separate physische Strecken — abhängig vom Hersteller und Anforderungen der Praxis-Software.
Patienten-WLAN
- Gast-WLAN im Wartebereich, völlig getrennt vom Praxis-Netz
- Eigenes VLAN mit Internet-Zugang, ohne Zugriff auf interne Ressourcen
- Sinnvoller Captive-Portal (Hinweis, Verschwindezeit, etc.) — DSGVO-konform
Sicherheitstechnik (falls vorhanden)
- IP-Kameras im Empfangs- und Wartebereich
- Zutritts-/Sprechanlage zur Praxis-Tür
- Alarmtechnik
Auch das gehört nicht in das Verwaltungsnetz, sondern in eine eigene Zone.
Was wir nicht machen
Wir installieren keine Praxis-Software, keine Medizingeräte und keine Telematik-Infrastruktur. Das macht Ihr IT-Systemhaus oder der Hersteller der Anlagen. Wir bauen die Verkabelung und Netzwerkstruktur darunter — sodass alle Komponenten miteinander sprechen können, aber auch nur das, was sprechen darf.
Planung — Empfehlung
Wir empfehlen vor Installation einen kurzen Workshop mit:
- Ihrem IT-Systemhaus (das die Praxis-Software betreut)
- Ihrem Telematik-Anbieter (falls relevant)
- Ihrem Hersteller medizinischer Geräte (falls Netzwerk-relevant)
Damit klären wir vorher, welche Netze getrennt sein müssen, welche Bandbreiten gefordert sind und ob es spezielle Anforderungen an Aufstellort, Stromversorgung oder Brandschutz gibt.
Typische Projektgröße
- Kleinere Hausarzt-Praxis: ~15-25 Netzwerkdosen, ein Schrank, 1-2 Tage
- Mittelgroße Praxis mit mehreren Behandlungszimmern: 30-50 Anschlüsse, größerer Schrank, 2-4 Tage
- Praxisgemeinschaft / kleinere Klinik: 80-150 Anschlüsse, mehrere Schränke, 1-2 Wochen
In der Regel lässt sich die Arbeit in mehrere Wartungsfenster aufteilen — der Praxisbetrieb muss nicht stillstehen.
FAQ
Brauchen wir wirklich VLAN-Trennung, oder reicht eine SSID? SSID allein reicht nicht. Wer im selben physischen Netz hängt, kann mit einfachen Tools andere Geräte sehen — auch wenn die SSID anders ist. VLAN trennt die Netze technisch, nicht nur kosmetisch.
Können wir das nicht später nachrüsten? Ja, aber teurer. Wenn die Verkabelung gleich für VLAN-Betrieb ausgelegt ist (ordentlicher PoE-Switch mit VLAN-Unterstützung, sinnvolle Patchpläne), ist die spätere Aktivierung ein Klick — nicht ein Umbau.
Wer kümmert sich nach Installation um die Wartung? Die Software- und Anlagen-Wartung läuft typisch über Ihr IT-Systemhaus. Wir kommen wieder, wenn an der passiven Infrastruktur etwas zu tun ist — Erweiterung, Reparatur, Modernisierung. Auf Wunsch übernehmen wir auch regelmäßige Bestandsmessungen.