Die kurze Antwort
Die Verkabelung ist die Hälfte. Die andere Hälfte sind: passende Switches, sinnvolles PoE-Budget, klare VLAN-Trennung. Ein 10G-fähiges Cat-7-Kabel bringt nichts an einem 1G-Switch. Ein Access Point ohne PoE-Power-Budget funkt nicht. Ein flaches Netz ohne VLANs ist eine Sicherheitsrückbau-Stelle.
Drei Konzepte, die zusammengehören
PoE — Power over Ethernet
PoE liefert Strom über das Netzwerk-Kabel zum Gerät. Vorteile: keine Steckdose am Access Point oder an der Kamera, alles aus einem zentralen Punkt versorgt, mit einer USV abgesichert.
Standards (Stand 2026):
- PoE (802.3af): max. 15,4 W — für ältere Geräte
- PoE+ (802.3at): max. 30 W — Standard für die meisten APs und Kameras
- PoE++ (802.3bt): max. 60-90 W — für leistungsstarke 4K-Kameras, PTZ-Modelle, manche moderne APs
Wichtig: Power-Budget des Switches. Ein 24-Port-PoE-Switch mit 370 W Budget kann nicht alle Ports mit maximaler Leistung versorgen — pro Port ~15 W im Durchschnitt. Bei vielen leistungshungrigen Geräten braucht es einen Switch mit höherem Power-Budget oder mehrere Switches.
VLAN — Virtual LAN
VLANs trennen Netze logisch, auch wenn sie physisch dieselbe Verkabelung nutzen. Wozu? Drei Hauptgründe:
- Sicherheit — Geräte im Gast-WLAN sehen nicht das Praxis-Netz
- Performance — Broadcast-Traffic bleibt im eigenen Segment
- Compliance — Trennung sensibler Bereiche (Patientendaten, Mandantendaten, Sicherheitstechnik)
Typisches VLAN-Setup in einem Bürogebäude:
- VLAN 10: Mitarbeiter-Arbeitsplätze
- VLAN 20: Drucker und gemeinsame Ressourcen
- VLAN 30: VoIP-Telefone
- VLAN 40: Gäste-WLAN
- VLAN 50: Sicherheitstechnik (Kameras, Zutritt)
- VLAN 99: Management (nur für IT-Administration)
Ohne VLAN: alles im selben Netz, jedes Gerät kann jedes andere sehen.
Switches — die zentrale Schaltstelle
Ein Switch ist nicht nur “die Steckdose des Netzwerks”. Was zählt:
- Anzahl Ports und PoE-Budget (siehe oben)
- Backbone-Geschwindigkeit zwischen Switches (typisch 10G)
- Managed vs. unmanaged: managed Switches können VLANs, QoS, Monitoring
- Stack-Fähigkeit bei mehreren Switches im Schrank
- Energieaufnahme (managed PoE-Switches ziehen Strom, auch im Leerlauf)
Für Gewerbe immer managed Switches. Unmanaged-Switches gehören in den Privatbereich.
Was wir empfehlen
Wir setzen vor allem auf zwei Systeme:
UniFi (Ubiquiti)
- Sehr verbreitet im professionellen Bereich
- Cloud-Controller oder lokaler CloudKey
- Breite Hardware-Palette: Switches, APs, Router, Kameras
- Gute Integration zwischen den Komponenten
TP-Link Omada
- Vergleichbarer Funktionsumfang, oft etwas günstiger
- Auch mit Hardware-Controller oder Cloud-Variante
- Geeignet für kleinere bis mittlere Installationen
Beide Systeme können wir betreuen. Welches passt, hängt von Bestand, Budget und Vorlieben Ihres IT-Partners ab.
Was wir nicht sind
Wir betreuen die physische Infrastruktur. Die operative IT-Betreuung (Software-Updates, Lizenzmanagement, Helpdesk) läuft bei Ihnen oder einem IT-Systemhaus. Wir setzen das System auf und übergeben funktionsfähig.
Typische Projektsituationen
- Neuer Standort — wir planen Verkabelung + Aktivtechnik gemeinsam, installieren Switches und APs, konfigurieren VLAN-Grundsetup
- Mesh-WLAN raus, verkabelte APs rein — neue Cat-6A-Strecken zu den AP-Positionen, PoE-Switch dimensionieren, VLAN für Gast-WLAN trennen
- VoIP-Umstellung — eigenes VLAN, PoE für Telefone, QoS einrichten
- Erweiterung um Sicherheitstechnik — eigenes Netz für Kameras, PoE++ Power-Budget prüfen
FAQ
Können wir die alten Switches weiter verwenden? Wenn sie managed sind und VLAN können: ja, für eine Übergangszeit. Unmanaged-Switches oder reine 1G-Switches im 10G-fähigen Netz sind schnell der Flaschenhals.
Was kostet ein guter Setup? Hängt von der Größe ab. Ein 24-Port-PoE+ managed Switch liegt bei ~800-1.500 €, ein UniFi-Cloud-Key bei ~150 €, Access Points je ~150-400 €. Plus Installation und Konfiguration. Wir machen Ihnen vorab eine transparente Kalkulation.
Wer macht die laufende Wartung? Im Standardfall: Ihr IT-Systemhaus oder Ihre interne IT. Wir kommen, wenn physische Änderungen anstehen oder bei Hardware-Ausfällen.