Die kurze Antwort
Die meisten LWL-Probleme entstehen nicht aus Material- oder Werkzeugmängeln, sondern aus Routinefehlern bei Planung, Verlegung oder Übergabe. Hier die sieben häufigsten — alle vermeidbar.
1. Biegeradius unterschritten
Glasfaser darf bei der Verlegung nicht beliebig eng gebogen werden — sonst bricht die Faser im Kabelmantel. Faustregel: mindestens 20× Kabel-Außendurchmesser bei der Verlegung, 10× im Endzustand. Wir sehen häufig Kabel, die um 90°-Ecken in Schächten geknickt sind — Dämpfung steigt, irgendwann fällt die Strecke aus.
Lösung: Bogenkanäle, Zugkraftbegrenzung beim Einziehen, Markierung von Mindest-Biegeradien in der Trasse.
2. Zu hohe Zugkräfte beim Einziehen
Glasfaserkabel haben eine maximale Zugkraft, die mit dem Bewehrungsaufbau zusammenhängt. Wer mit der Winde zieht und nicht aufpasst, dehnt die Faser unsichtbar. Folge: erhöhte Dämpfung, schwer reproduzierbare Ausfälle.
Lösung: Gleitmittel verwenden, Zwischenstationen einrichten, Zugkraft messen (gut Zugentlastungs-Kupplungen).
3. Faserkernbeschädigung beim Spleißen
Wer am Spleißgerät nicht sauber arbeitet — die Faser nicht ordentlich gecleavt, nicht gereinigt, nicht richtig im Halter positioniert — produziert Spleiße mit hoher Dämpfung. Der Spleißverlust steigt, OTDR zeigt das, die Strecke ist nicht abnehmbar.
Lösung: Faserende mit isopropanolgetränktem Vlies reinigen, Cleaver kalibrieren, Faserenden visuell mit Mikroskop kontrollieren.
4. Stecker verschmutzt — selbst nach der Konfektion
Glasfaser-Stecker brauchen absolute Reinheit. Ein Hauch Hautfett auf der Stirnfläche kann mehrere dB Dämpfung verursachen. Häufiger Fehler: Stecker gesetzt, kurz angefasst, wieder eingesetzt — fertig ist der unsichtbare Defekt.
Lösung: One-Click-Cleaner für jeden Steckvorgang, immer mit Faser-Mikroskop kontrollieren.
5. Falsche Faser-Typen im selben Strang
Singlemode und Multimode sehen identisch aus. Wer in einer Spleißmuffe einen Singlemode-Spleiß auf eine Multimode-Faser setzt, hat eine Strecke, die funktioniert — bis sie eben nicht mehr funktioniert. Die Dämpfung ist enorm, der Aktivkomponenten-Hersteller-Support fängt an, an seinem Gerät zu zweifeln.
Lösung: Konsequente Beschriftung, getrennte Lagerung, Doppelkontrolle vor jedem Spleiß.
6. Keine OTDR-Messung bei Übergabe
Eine LWL-Strecke ist erst dann übergebbar, wenn sie gemessen ist. Wer nur visuell prüft, ob “irgendein Lichtsignal durchkommt”, weiß nicht, ob die Strecke 0,3 dB oder 3 dB Dämpfung hat. Drei Monate später fällt der 10G-Switch in den Failsafe — und niemand weiß, warum.
Lösung: Jede Strecke beidseitig mit OTDR messen, Messprotokoll dem Kunden übergeben.
7. Fehlende Dokumentation
Eine perfekt installierte Strecke ist ohne Patchplan und Beschriftung trotzdem ein Problem — beim ersten Umbau, bei der ersten Erweiterung, beim ersten Defekt. Wir sehen oft Schränke, in denen niemand mehr weiß, welche Faser wohin geht.
Lösung: Beschriftung physisch am Patchfeld, Patchplan als PDF und ausgedruckt im Schrank, Übersichts-Schema für die Anlage gesamt.
Was eine ordentliche Übergabe enthält
- Patchplan (PDF + ausgedruckt im Schrank)
- Übersichts-Schema mit Strecken, Längen, Faser-Typen
- OTDR-Messprotokoll je Strecke, beidseitig
- Dämpfungs-Werte mit Soll-/Ist-Vergleich
- Beschriftung im Schrank physisch identisch mit dem Plan
- Übergabeprotokoll mit Unterschrift
Ohne diese Dokumentation ist die Strecke “verlegt”, aber nicht “übergeben”.
FAQ
Was, wenn wir die Spleißarbeit selbst machen? Wir empfehlen, mindestens die OTDR-Messung extern machen zu lassen — als neutrale Abnahme. Wer selbst spleißt und selbst misst, prüft sich selbst.
Wie kontrollieren wir, ob unser Verkabler ordentlich gearbeitet hat? Verlangen Sie das Messprotokoll als Field-Tester-Report (direkt aus dem Messgerät, unbearbeitet). Und schauen Sie sich den Patchplan an — unbeschriftete Strecken sind ein klares Warnzeichen.